Glossar
- Aerobe Schwelle (AeT)
Die Belastungsintensität bei einer festen Laktatkonzentration im Kapillarblut von 2 mmol/L[1]. Das Konzept wird vor allem im deutschsprachigen Raum verwendet; wegen seiner geringen Reliabilität gilt es als überholt.
- Anaerobe Glykolyse
Ein Stoffwechselweg, der Glukose ohne Beteiligung von Sauerstoff zu Pyruvat abbaut und dabei relativ schnell eine kleine Menge Energie (ATP) bereitstellt, mit Laktat als Nebenprodukt. Er wird vor allem bei kurzen, hochintensiven Belastungen (bis etwa 2 min Dauer) genutzt.
- Anaerobe Schwelle
Die Belastungsintensität, oberhalb derer die Laktatkonzentration im Blut mit steigender Belastung überproportional ansteigt. Der Begriff stammt aus der Zeit, als man den Laktatanstieg auf einen Sauerstoffmangel in der arbeitenden Muskulatur zurückführte. Heute ist bekannt, dass Laktat auch bei ausreichender Sauerstoffversorgung fortlaufend gebildet wird und seine Konzentration ansteigt, wenn die Laktatbildung die oxidative Elimination übersteigt[2]. Der Begriff „anaerob“ ist daher irreführend und wird vor allem aus historischen Gründen verwendet. Verschiedene Methoden bestimmen diesen Ankerpunkt unterschiedlich, z. B. als individuelle anaerobe Schwelle, OBLA oder Dmax (siehe Tab. 1). Je höher die Leistung an der anaeroben Schwelle, desto höher die Ausdauerleistungsfähigkeit.
- Borg-Skala
Eine von Gunnar Borg entwickelte Skala zur Einschätzung des subjektiven Belastungsempfindens. Die ursprüngliche Skala von 6 bis 20 entspricht bei gesunden Erwachsenen ungefähr einem Zehntel der Herzfrequenz. Die CR10-Skala (Category-Ratio-Skala, 0–10) bewertet die Anstrengung mit verbalen Ankern von „überhaupt nicht“ bis „extrem stark“.
- Bruttowirkungsgrad
Das Verhältnis der verrichteten mechanischen Arbeit zur aufgewendeten metabolischen Energie, angegeben in Prozent. Im Radsport liegt der Bruttowirkungsgrad typischerweise bei etwa 18–25 %[5]. Bei gleicher Sauerstoffaufnahme ergibt ein höherer Wirkungsgrad eine höhere Leistung.
- Dmax
Eine Methode zur Bestimmung einer Schwelle aus der Laktatkurve: der Punkt der Kurve mit dem größten senkrechten Abstand zur Geraden zwischen dem ersten und dem letzten Messpunkt[3]. Bei der modifizierten Dmax-Methode (Dmax,mod) beginnt die Gerade an der Laktatschwelle statt am ersten Messpunkt[4].
- Functional Threshold Power (FTP)
Die höchste Leistung, die etwa eine Stunde lang aufrechterhalten werden kann; ein Konzept, das im Radsport und in Trainingssoftware weit verbreitet ist. Die FTP wird meist aus einem Feldtest geschätzt, z. B. als 95 % der mittleren Leistung einer 20-minütigen Maximalbelastung. Sie ist weder mit Schwellen aus der Laktatkurve noch mit der kritischen Leistung identisch.
- Herzfrequenz (HF)
Die Zahl der Herzschläge pro Minute (bpm). Mit der Herzfrequenz wird im Trainingsalltag die Trainingsintensität gesteuert, ihr Bezug zur metabolischen Beanspruchung ist jedoch individuell sehr verschieden. Sie sollte daher auf eine individuelle Messung wie die Laktatkurve bezogen werden.
- Individuelle anaerobe Schwelle (IAS)
Eine anaerobe Schwelle, die aus der individuellen Laktatkurve der Testperson abgeleitet wird statt aus einer festen Laktatkonzentration wie 4 mmol/L. Gängige Methoden sind der Nettoanstieg der Laktatkonzentration um einen konstanten Betrag über die Laktatschwelle[6] oder die Stegmann-Schwelle, die zusätzlich die Laktatwerte nach Belastungsende nutzt.
- Kapillarblutprobe
Eine kleine Blutprobe aus dem Ohrläppchen oder der Fingerbeere zur Messung der Laktatkonzentration im Blut (in mmol/L) während eines Belastungstests. In der Leistungsdiagnostik ist das Ohrläppchen der bevorzugte Entnahmeort, weil Laktatwerte aus dem Finger je nach Arbeit der Armmuskulatur zu hoch oder zu niedrig ausfallen können.
- Kritische Leistung (CP)
Die höchste Leistung, die in einem metabolischen Gleichgewicht über längere Zeit aufrechterhalten werden kann. Mathematisch ist sie die Asymptote der hyperbolischen Beziehung zwischen Leistung und Zeit bis zur Erschöpfung. Zusammen mit \(W'\) beschreibt sie die Leistungs-Dauer-Beziehung eines Sportlers.
- Laktatkurve
Auch Laktatleistungskurve genannt: die Darstellung der Laktatkonzentration im Blut über der Belastungsintensität (Leistung oder Geschwindigkeit) in einem Stufentest. Ihre Lage und Form sind die Grundlage für die Bestimmung der Schwellen und der Trainingsbereiche. Je besser die Ausdauerleistungsfähigkeit, desto weiter ist die Kurve nach rechts verschoben.
- Laktatschwelle (LT, LT1)
Die Belastungsintensität beim ersten Anstieg der Laktatkonzentration im Blut über das Ruheniveau bei kontinuierlich steigender Belastung[7]. Sie markiert die Obergrenze der niedrigsten Trainingsintensitäten zur Entwicklung der Grundlagenausdauer. Entspricht der ventilatorischen Schwelle (VT1).
- Leistung (\(P\))
Die pro Zeiteinheit verrichtete mechanische Arbeit (\(P = W / t\)). Die Leistung wird in Watt (W) gemessen; 1 W entspricht 1 Joule pro Sekunde. Im Ausdauertraining auf dem Ergometer ist die Leistung ein direktes und objektives Maß der Belastungsintensität und wird oft auf das Körpergewicht bezogen (W/kg).
- Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle (\(P_{\mathrm{IAS}}\))
Die Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle. Sie ist das zentrale Maß der Ausdauerleistungsfähigkeit in der Laktatdiagnostik und wird oft bezogen auf das Körpergewicht (W/kg) oder in Prozent von \(P_{\mathrm{max}}\) angegeben.
- Leistung an der Laktatschwelle (\(P_{\mathrm{LT}}\))
Die Leistung an der Laktatschwelle. Sie markiert die Obergrenze der niedrigsten Trainingsintensitäten; das Verhältnis von \(P_{\mathrm{LT}}\) zu \(P_{\mathrm{IAS}}\) beschreibt die Form der Laktatkurve.
- Maximale Herzfrequenz (HFmax)
Die höchste Herzfrequenz, die bei einer Ausbelastung erreicht werden kann. Faustregeln wie „220 − Lebensalter“ zeigen eine große individuelle Streuung und eignen sich nicht zur Festlegung von Trainingsintensitäten.
- Maximale Laktatbildungsrate (\(\dot{V}\mathrm{La}_{\mathrm{max}}\))
Eine Schätzung der maximalen Rate, mit der der Körper eines Sportlers im anaeroben Stoffwechsel Laktat bilden kann. Sie spiegelt die Kapazität des glykolytischen Systems wider und spielt eine Rolle für die Ausdauer- und Sprintleistung. Höhere \(\dot{V}\mathrm{La}_{\mathrm{max}}\)-Werte gehen mit einer größeren anaeroben Leistung einher, niedrigere Werte sind für die Ausdauerökonomie günstig.
- Maximale Leistung (\(P_{\mathrm{max}}\))
Die in einem Stufentest erreichte maximale Leistung. Wurde die letzte Stufe nicht vollständig absolviert, wird \(P_{\mathrm{max}}\) anteilig aus der Dauer der letzten Stufe berechnet (siehe Gleichung (1)).
- Maximale Sauerstoffaufnahme (\(\dot{V}\mathrm{O}_{2\mathrm{max}}\))
Die höchste Sauerstoffaufnahme, die bei einer Ausbelastung erreicht werden kann, angegeben in ml/min (absolut) oder in ml/min/kg (bezogen auf das Körpergewicht). Die \(\dot{V}\mathrm{O}_{2\mathrm{max}}\) ist das klassische Maß der kardiorespiratorischen Fitness.
- Maximales Laktat-Steady-State (MLSS)
Die höchste Belastungsintensität, bei der die Laktatkonzentration im Blut stabil bleibt, definitionsgemäß bei einer Dauerbelastung von etwa 20 bis 30 Minuten[8]. Das MLSS erfordert mehrere getrennte Dauertests und gilt oft als Referenz für die „anaerobe Schwelle“.
- Onset of Blood Lactate Accumulation (OBLA)
Auch 4-mmol/L-Schwelle genannt: die Belastungsintensität bei einer festen Laktatkonzentration im Kapillarblut von 4 mmol/L[9]. Sie ist methodisch robust, ihre prognostische Aussagekraft für die Ausdauerleistungsfähigkeit ist jedoch begrenzt, weil sie individuelle Unterschiede der Laktatkurve außer Acht lässt.
- Relative Leistung (W/kg)
Die Leistung geteilt durch das Körpergewicht, angegeben in Watt pro Kilogramm. Die relative Leistung erlaubt den Leistungsvergleich von Personen mit unterschiedlichem Körpergewicht und ist entscheidend bei Sportarten, in denen das Körpergewicht getragen werden muss, etwa beim Bergauffahren oder Laufen.
- Respiratorischer Kompensationspunkt (RCP, VT2)
Der Beginn eines überproportionalen Anstiegs der Ventilation bei steigender Belastungsintensität, vermutlich verursacht durch die zunehmende belastungsbedingte metabolische Azidose[10]. Er lässt sich nur mit einer Atemgasanalyse bestimmen.
- Stegmann-Schwelle
Eine individuelle anaerobe Schwelle, bestimmt mit der Tangentenmethode nach Stegmann: Die Tangente vom Laktatverlauf nach Belastungsende an die Laktatkurve markiert die Schwelle[11]. Die Methode berücksichtigt nicht nur die Bildung, sondern auch die Elimination von Laktat, erfordert aber standardisierte Laktatmessungen nach Belastungsende.
- Stufendauer
Die Dauer jeder Stufe eines Stufentests. Sie bleibt innerhalb eines Tests konstant; die häufigste Stufendauer beträgt 3 Minuten. Direkt vergleichbar sind nur Tests mit gleicher Stufendauer.
- Stufenhöhe
Der konstante Betrag, um den die Belastungsintensität (Leistung, Geschwindigkeit oder Steigung) von einer Stufe eines Stufentests zur nächsten erhöht wird, z. B. 25 oder 50 W auf dem Fahrradergometer.
- Stufentest
Auch Stufenbelastungstest genannt: ein Belastungstest, bei dem die Intensität nach jeder Stufe gleicher Stufendauer um eine konstante Stufenhöhe erhöht wird, meist bis zur willkürlichen Erschöpfung. Er ist das Standardprotokoll der Laktatdiagnostik.
- Subjektives Belastungsempfinden (RPE)
Die subjektive Einschätzung, wie anstrengend eine Belastung empfunden wird, meist am Ende jeder Stufe eines Belastungstests mit der Borg-Skala erfasst. Das RPE ergänzt die objektiven Messgrößen Laktatkonzentration und Herzfrequenz.
- Trainingsbereiche
Bereiche der Belastungsintensität (Leistung, Geschwindigkeit oder Herzfrequenz) mit einem bestimmten Trainingsziel, z. B. Regeneration, Grundlagenausdauer oder intensives Ausdauertraining. Sie werden aus den Ankerpunkten der individuellen Laktatkurve abgeleitet, etwa der Laktatschwelle und der individuellen anaeroben Schwelle.
- Trainingsintensität
Ein Maß dafür, wie stark der Körper bei körperlicher Aktivität beansprucht wird, oft ausgedrückt als Prozentsatz der maximalen Leistung, der Herzfrequenz oder des bewegten Gewichts im Verhältnis zur individuellen Maximalkraft.
- Trainingsumfang
Die gesamte in einer Trainingseinheit oder über einen Zeitraum verrichtete Arbeit, im Krafttraining meist als Produkt aus Sätzen, Wiederholungen und bewegtem Gewicht gemessen, im Ausdauertraining als Gesamtdauer bzw. Gesamtstrecke.
- Ventilatorische Schwelle (VT, VT1)
Der erste überproportionale Anstieg der Kohlendioxidabgabe bei steigender Belastungsintensität, verursacht durch die Bicarbonatpufferung[7]. Sie entspricht der Laktatschwelle und lässt sich nur mit einer Atemgasanalyse bestimmen.
- W Prime (\(W'\))
Die begrenzte Arbeitsmenge (in kJ), die oberhalb der kritischen Leistung verrichtet werden kann. Ist \(W'\) aufgebraucht, kann eine Belastung oberhalb der CP nicht fortgesetzt werden; bei Intensitäten unterhalb der CP erholt sich \(W'\) wieder. Auch als anaerobe Arbeitskapazität (AWC) bezeichnet.
- Zweite Laktatschwelle (LT2)
Eine allgemeine Bezeichnung für den zweiten, höheren Ankerpunkt der Laktatkurve, also den Übergang zu einem überproportionalen Laktatanstieg. Je nach Methode wird LT2 als individuelle anaerobe Schwelle, OBLA oder modifiziertes Dmax bestimmt; als LT2 bezeichnete Werte sind daher nur vergleichbar, wenn dieselbe Methode verwendet wurde.